13 Mrz
2011

Keine Schuld ist dringender, als die, Danke zu sagen. (M.T. Cicero)

Dieses Zitat dieses römischen Schriftstellers hat wahrlich einen gewissen Tiefgang, obwohl dieser Ausspruch eine historisch bedingte Prägung besitzt. Ich bin auf dieses Zitat gestoßen und habe mich einmal mit dem Wort ”Danke” und der ”Dankbarkeit” etwas näher beschäftigt, vor allem deswegen, weil ich immer wieder feststelle, dass unserer Gesellschaft von Herzen kommende Dankbarkeit verloren gegangen ist.

Zunächst habe ich mich einmal mit der Historie der Dankbarkeit beschäftigt. Dankbarkeit wurde als eine positive Sanktion verstanden. Derjenige, der von einem anderen Wohltaten erhielt, schuldete ihm Dank. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Dankbarkeit einer der ersten Tugenden war, die in den ersten Tagen gemeinschaftlichen Zusammenlebens praktiziert wurde. Das bedeutet, dass Dankbarkeit zur zwischenmenschlichen Beziehung gehörte, noch bevor es den Homo sapiens sapiens in seiner heutigen Form  gegeben hat.

Definiert wird Dankbarkeit als Ausdruck eines Gefühls gegenüber Personen oder Personengruppen, das dazu dient, eine empfangende Wohltat anzuerkennen und bei Gelegenheit zu erwidern. Eine Interessante Darstellung.

Warum interessant? Ich finde es bemerkenswert, dass von einem “Ausdruck eines Gefühls” gesprochen wird. Schlussfolgernd muss man also feststellen, dass Dankbarkeit keine Sache des Verstandes ist. Aber Dankbarkeit wurde von unserer Gesellschaft zu einer Sache des Verstandes gemacht. Das Wort “Danke” ist zu einer Floskel geworden.

Beispiel:
Wenn mir einer die Tür aufhält, sage ich, weil ich ein höflicher Mensch bin, Dankeschön. Derjenige, der mir die Tür aufgemacht hat, nimmt mein Dankeschön aber nicht wirklich wahr. Er geht dann seiner Tätigkeit nach. Manchmal ertappe ich mich jedoch bei dem Gedanken, dass das Türaufhalten für mich eine Selbstverständlichkeit ist und ich mich entweder gar nicht bedanke oder mein Dankeschön einfach aus einer Gewohnheit heraus ausspreche.

Als mir dies bewußt wurde, habe ich mir folgende Frage gestellt:

Sind wir nicht mehr fähig, ein von Herzen kommendes “Dankeschön” zu sagen?

Meine Antwort: Doch, sind wir, jedoch nur dann, wenn unsere Einstellung zu unseren Mitmenschen stimmt. Wir können nur ein ehrliches “Dankeschön” über die Lippen bringen, wenn wir denjenigen, der uns etwas Gutes getan hat, Anerkennung zollen und uns im geistigen Sinne erniedrigen. Damit meine ich nicht, dass wir unsere Gesinnung dahingehend ändern sollen, dass wir uns als Sklave des anderen machen oder fühlen sollten. Im Gegenteil. Ich denke, es ist wichtig, dass wir, wenn wir “Dankeschön” sagen, es durch einer gewissen Mimik und Gestik verstärken. Dies setzt aber voraus, dass wir dem anderen nicht mit Hochmut sondern mit Demut begegnen.

Wie kann man das im Alltag praktizieren?

Indem man sich Menschen sucht, denen man danken kann. Und damit meine ich nicht nur Menschen, die sich im näheren Umfeld aufhalten oder es immer gut mit einem meinen. Sicherlich ist es einfacher und meines Erachtens auch wichtig, sich bei seiner Frau, seinen Kindern, seinen Eltern oder seinen Freunden für das zu bedanken, was sie für einen getan haben, noch tun oder tun werden. Was ist jedoch mit den Menschen, von denen man eine gewisse Leistung erwartet und diese Leistung für selbstverständlich erachtet, weil man davon ausgeht, dass sie dafür entlohnt werden?

Beispiele:
Die Kassiererin an der Kasse vom Supermarkt
Die Arzthelferin
Unsere “Müllmänner”
Reinigungskräfte, die dafür sorgen, dass unser Umfeld sauber bleibt
oder auch der eigene Chef/die eigene Chefin

Wir unterschätzen manchmal, was diese Menschen leisten oder auch entbehren müssen, um ihren Job machen zu können. Sie machen nicht nur ihre Knochen kaputt. Sie setzen sich täglich einem uns allen bekannten Zeit- und Leistungsdruck aus, der teilweise krank machen kann und der immer stärker und fühlbarer wird, und sie verzichten oft auf ein Stück Privatleben. Und wenn man die Menschen hinter diesen Menschen (z.B. die Kinder) betrachtet, kommt man unweigerlich auf den Gedanken des Verzichts. Denn wie oft brauchen die Kinder ihre Mutter oder Vater in bestimmten Situationen und sie sind einfach nicht da, weil sie damit beschäftigt sind, dass Auskommen für die Familie heranzuschaffen?

Johann Wolfgang von Goethe sagte einmal:” Leider läßt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken”. 

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle einmal zunächst allen danken, die mir geholfen haben und auch noch helfen, mein Leben lebenswert zu machen.
Zum Beispiel:

Meiner Frau und meinen Kindern
Meinen Eltern
Meinen Freunden und Bekannten
den Kassierer(innen) bei Netto, Kaisers und ALDI, wo ich immer einkaufen gehe
Meinen Vorgesetzten und Ex-Vorgesetzten
Meinen Kollegen und Ex-Kollegen
Meinem Vermieter und meiner Hauswirtin
Der Leuten von der Berliner Stadtreinigung
Der Busfahrern
und vielen, vielen Menschen mehr………………………

Ich möchte mich auch bei allen Menschen bedanken, die mich nicht mögen, oder mich als Feind betrachten, weil ich beispielsweise ein anderes Parteibuch habe. Diese Menschen sind für mich auch wichtig, weil mir durch sie immer bewußt wird, wohin ich gehöre.

In diesem Sinne als allen ein von Herzen kommendes

DANKESCHÖN!!!!

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