7 Mrz
2011

Als ich heute beim Arzt im Wartezimmer saß, las ich einen Artikel, der mich nicht nur über die Werte unserer Gesellschaft nachdenken ließ, sondern auch wahnsinnig wütend machte. Warum, werde ich noch erläutern. Diesen Artikel habe ich der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Stern” entnommen. Der Titel lautete: “Das lukrative Geschäft mit der Hilfe”.

Der Stern-Autor Walter Wüllenweber thematisierte in seinem Artikel die Deutsche Hilfsindustrie. Während seiner Recherchen stieß er auf ein paar Fakten, die ich unglaublich finde.

Die Fakten:

  1. Wohlfahrtsverbände machen Umsätze und Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe; somit sind sie Unternehmen mit dem größten Wirtschaftswachstum aller Branchen.
  2. Jeder sechste Steuereuro fließt in die Taschen der Wohlfahrtsverbände.
  3. Die Gesundheitsindustrie boomt, da es heute mehr Ältere und Kranke bzw. bekannte Krankheiten gibt.
  4. Der medizinische Fortschritt ist so rasant, dass kaum noch ein Mensch einen Überblick hat. Jedoch sind heute sämtliche diagnostische und therapeutische Verfahren teuer bzw. werden überteuert angeboten.
  5. Mit der Einführung von Pauschalen versuchte man, die Kosten innerhalb des Gesundheitssystems zu reduzieren, was auch gelang. Es gab aber auch Konsequenzen. 
  6. Lobbyismus ist auch in der  Hilfsindustrie  Usus.  35 Prozent aller Bundestagsabgeordneten sitzen in irgendwelchen Vorständen der Wohlfahrtsverbände. Auch Ex-Minister oder ehemalige hochrangige Politiker sitzen in den Vorständen, oder aber auch Ehefrauen von Ex-Kanzlern wie Doris Schröder-Köpf.
  7. Die Gewinne, die erzielt wurden, dürfen laut Gesetz nicht einbehalten werden, sondern müssen in neue Projekte gesteckt werden. 

Nun meine Ansichten zu den einzelnen Punkten:

zu 1. Der alte Spruch, dass man im Gesundheitswesen kein Geld verdienen kann, ist mit diesem Faktum widerlegt. In den letzten Jahren gab es im Gesundheitswesen ein stetiges Wachstum. Noch nicht einmal die Wirtschaftkrise konnte dieses Wirtschaftswachstum bremsen. Ich frage mich nur, wo dieses Geld, was erwirtschaftet wurde, geblieben ist. Wer profitiert denn davon? Nur diejenigen, die in Vorständen und Aufsichtsräten sitzen und Unternehmensberater, die sich auf das Gesundheitswesen spezialisiert haben. Da stelle ich mir die Frage, ob Deutschland soviel Wohlfahrtsverbände, Krankenkassen, Häusliche Pflegestationen, Sanitätshäuser, etc. braucht. Ich sage ganz deutlich: NEIN!! 

zu 2. Wohlfahrtsverbände – wie Diakonie, Caritas, AWO, Paritätischer Wohlfahrtsverband, etc. -, die ursprünglich aus kirchlichen Institutionen hervorgegangen sind, betonen immer wieder den gemeinnützigen Gedanken und das selbstlose Handeln. Profitgier hat nichts mit Gemeinnützigkeit zu tun. Die großen Kirchen kümmern sich scheinbar nicht nur um den Menschen, sondern um Ihren Geldbeutel. Jedoch stelle ich fest, dass die katholische und evangelische Kirche und ihre Institutionen die besseren Unternehmer in Deutschland sind.

zu 3. Dieses Faktum ist belegt. Man denke nur an den sogenannten Generationenbaum, der unten dünner und oben dicker wird.

zu 4. Da stellt sich für mich die Frage, ob alle Therapieangebote notwendig sind. Ich habe gelernt, dass von den Krankenkassen nur Therapien bezahlt werden, deren Nutzen wissenschaftlich belegt sind. Sozialämter unterliegen dieser Verordnung nicht. Bei denen entscheidet der Sachbearbeiter über den Nutzen. Das bedeutet also auch, dass Steuergelder verpulvert werden für Therapien, die weder helfen noch sinnvoll sind. Das ist Betrug am Steuerzahler!!

zu 5. Das ist der Punkt, der mich wütend macht.
Die Einführung von Pauschalen bedeutete, dass Leistungserbringer gezwungen wurden, Ihre Leistungen zu Dumpingpreisen anzubieten. Dies hatte zur Folge, dass an manchen Stellen gespart werden musste. Wo spart man am effektivsten? An den Mitarbeitern. Wir, die wir im Gesundheitswesen tätig sind, machen unsere Knochen und unsere Psyche für einen Hungerlohn kaputt. Deshalb ist Deutschland auch an eine Porfessionalisierung und Anerkennung von Berufen wie der Beruf der Krankenschwester/-pfleger nicht interessiert, weil sie sonst zu teuer werden. Deshalb fordere ich eine staatliche Registrierungsstelle für Pflegende(wie beispielsweise in England oder Australien). Dort werden die Pflegekräfte oder auch Pflegehilfskräfte sehr geschätzt und haben nicht den Ruf des “A….abwischers” oder “Freiwilds”. Wer von den Pflegenden an einer Professionalisierung interessiert ist, dem zeige ich gern eine Möglichkeit auf. Einfach eine Mail schicken.

zu 6. Lobbyismus und Hilfsbereitschaft sind ein Widerspruch in sich. So etwas müsste per Gesetz verboten werden. Pharmaindustrie und Wohlfahrtsverbände kann man scheinbar getrost über einen Kamm scheren. Mir ist es auch unverständlich, wie Ex-Politiker in Vorständen von Wohlfahrtsverbänden sitzen können. Sie gehören dort nicht hin. Es sollten dort nur Personen einen Sitz inne haben, die Berufserfahrung im Bereich des Gesundheitswesens vorweisen können. Es ist auch völlig unverständlich, wie die Ehefrau eines Ex-Kanzlers in den Vorstand eines Wohlfahrtsverbandes kommt. Das geht nur durch Beziehung und Bestechung.

zu 7. Wo bleiben die Gewinne? Worin werden sie investiert? Das wissen nur Eingeweihte. Jedes Unternehmen in jeder Branche ist verpflichtet, seine Zahlen offen zu legen. Sie sind zu einer gewissen Transparenz gezwungen. Nicht die Wohlfahrtsverbände. Das Gesundheitswesen ist die Branche mit der geringsten Transparenz nach außen. Das muß sich ändern?

Mein Fazit: Das Geschäft mit der Hilfe ist das lukrativste und erfolgsversprechendste in ganz Deutschland. Unsere Gesellschaft wird immer liebloser und egoistischer.

2 KommentareGesundheit Tags: , , , ,

2 comments

  • Kommentar by
    Graham
    10 Mrz 2011

    Tolle Informationen! Ich werde mich damit mal genauer auseinander setzen! Warte auf weitere Posts!

  • [...] Zitat von Trinity DAS ist doch wirklich mal Werbung, wo noch was hintersteckt und nicht nur zum grenzenlosen Konsum animieren soll… Beide toll . Naja… sie regt nicht zum grenzenlosen Konsum an, aber hier mal ein bisschen Senf dazu: http://ad.in-ter-nett.de/2011/03/07/…-deutschlands/ [...]


Name


Email (will not pubblished)


Website/URL